Obedience:
Gehorsam als Hundesport - von Achim Janßen erschienen in WUFF 7-8/2004
Bist Du bereit? Diese vom Ringsteward aufmunternd gestellte Frage kündigt die bevorstehende Übung an. Bis zur positiven Beantwortung befindet sich das Mensch-Hund-Team nicht in der Wertung. Es besteht daher noch einen Augenblick lang die Gelegenheit eine perfekte Grundstellung einzunehmen und die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich zu lenken. Erst nachdem diese kurze Konzentrationsphase mit einem klaren „ja“ quittiert wird signalisiert der Ringsteward dem Leistungsrichter die Bereitschaft anzufangen.
Zuerst in die Gruppe
Achim Janßen mit MückeUnabhängig davon, in welcher Leistungsklasse das Team zum Wettkampf antritt stehen zu Beginn die Übungen in der Gruppe. Während in der Beginner-Klasse noch Übungen wie „Verhalten gegenüber anderen Hunden“, Stehen und Betasten“ sowie das „Gebiss zeigen“ den Hundeführern/innen so manchen Schweißtropfen auf die Stirn treiben beschränken sich die Gruppenübungen in den nachfolgenden Klassen 1 bis 3 auf das lange Sitzen und das lange Liegen. Der Schwierigkeitsgrad variiert hier durch die Zeit, die der Hund unter Sichtkontakt bzw. später ohne Sichtkontakt sitzen oder liegen muss.
Nachdem diese erste Hürde genommen ist – die Übungen „Verhalten gegenüber anderen Hunden“ sowie „Stehen und Betasten“ zählen in der Beginner-Klasse zu den Pflichtübungen, die einmal mit Null Punkten bewertet zum Abbruch der Prüfung führen, gehen die Mensch-Hund-Teams, beginnend in der untersten Klasse, einzeln an den Start.
Präzision gefragt
Flynn bei der GeruchsunterscheidungIm Obedience (englisch: Gehorsam) wird größter Wert auf die präzise Darstellung aller Übungen gelegt. Das Auge des Richters ist daher besonders geschult, wenn es darum geht, die kleinen und großen Abweichungen vom Ideal der perfekten Ausführung einer Übung zu erkennen. Da jedoch dem Anfänger im Obedience nicht die Freude an der Arbeit mit dem Hund genommen werden soll erfolgt meiner Erfahrung nach in der Beginner- und der Klasse 1 eine gemäßigte Bewertung. Geschenkt wird den Teams jedoch auch hier nichts.
Nichts läuft nach Schema
Wie in anderen Hundesportarten auch ist die Fußarbeit, mit und ohne Leine, ein wesentlicher Bestandteil vieler Übungen und die Ansätze dessen, was dabei bewertet werden kann, sehr zahlreich. Eine solide Basis bei der Fußarbeit ist für spätere Erfolge im Wettkampf daher unerlässlich, weswegen entsprechende Übungen mit unterschiedlichem Tempo, unterschiedlicher Länge, zahlreichen Winkeln und Wendungen auf keinem Trainingsplan fehlen sollten. Anders als bei der Begleithundeprüfung gibt es im Obedience kein festes Laufschema welches einmal auswendig gelernt automatisch abgespult wird.
Die Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Steh“ sollten sowohl aus der Bewegung als auch auf Distanz und über einen längeren Zeitraum sicher beherrscht werden, wenn man in den entsprechenden Übungen erfolgreich punkten will. In der Obedience Klasse 3 wird als eine von 3 Übungen in der die Maximalpunktzahl von 40 Punkten erreicht werden kann das Abrufen mit Stehen und Platz gefordert. Ein Hund, der mehr als 3-mal seine Körperlänge durchläuft bevor er das aus dem Laufen heraus gegebene Kommando Steh oder Platz ausführt erhält keine Punkte für diese Übung.
Metallisch über die Hürde
langes Liegen in der GruppeWährend in der Obedience Klasse 1 der Sprung über die Hürde und das Bringen eines eigenen Bringholzes oder Apportierdummys zwei unterschiedliche Übungen darstellen werden diese in den nachfolgenden Klassen 2 und 3 zu einer Übung mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad kombiniert. In der Klasse 2 erfolgt der Apport über die Hürde mit einem Bringholz während in der Klasse 3 der Apport der Metallhantel über die Hürde gefordert wird. Alle Welpen- und Junghundebesitzer, die später im Obedience starten möchten, sollten ihren Hund schon frühzeitig an Gegenstände aus Metall gewöhnen, weil das Einüben des Apports mit einer Metallhantel später sonst zu einer Geduldsprobe werden kann, die ggf. erst nach vielen Monaten zum Erfolg führt.
Herausriechen...
Abgerundet werden die vielseitigen und unterschiedlich schwierigen Übungen, die im Rahmen dieses Artikels leider nicht ausführlich und gänzlich beschrieben werden können, durch die in den Klassen 2 und 3 vorzuführende „Geruchsunterscheidung“. Bei dieser Übung muss der Hund einen Holzgegenstand, der den Geruch des Hundeführers trägt, aus mehreren gleichartigen neutralen Gegenständen finden und zum Hundeführer apportieren.
Die in allen Klassen zu erreichende maximale Punktzahl beträgt 320 Punkte. Der Start in der nächst höheren Klasse setzt ein vorzügliches Ergebnis (von 256 bis 320 Punkte) in der jeweils vorhergehenden Klasse voraus. Nach einem einmal vollzogenen Wechsel ist die Rückkehr in eine niedrigere Klasse nicht mehr möglich.
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